Yogablog

Leben lernen

17 Jan 2014

»Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!« - Ein jeder kennt diesen erbaulichen Spruch, der bis heute noch gelehrt wird, der jedoch ursprünglich ganz anders lautete: »Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir.« – Ein Stoßseufzer Senecas über all das überflüssige Wissen, mit dem sich Menschen vollstopfen.

Trenne dich von der großen Masse und komme zur Ruhe, um die innere Unabhängigkeit und Freiheit zu gewinnen. Lebe in Übereinstimmung mit der Natur. Man kann das Schicksal nicht ändern, aber störende Elemente, wie: Zorn, Habgier, Herrschsucht, Neid, Eifersucht übermäßige Trauer und Schwarzseherei, ausschalten, um danach zu streben, freier, glücklicher und zufriedener zu werden.

Es gibt Betriebsnudeln, Wichtigtuer, Snobs, Hektiker, Gestresste, jene die dem Zeitgeist huldigen und jedem Modetrend hinterherlaufen, die überall dabei sein müssen, teure Hobbys pflegen, luxuriöse Gastmähler ausrichten, mit denen sie ihr eigenes Vermögen und den Magen ihrer Gäste ruinieren, dann die Modegecken, die ihren Kopf nur der Frisur wegen haben und schließlich die Arbeitstiere, die sich mit neunzig noch an ihre Posten klammern, die alle nur die wenigste Zeit ihres Lebens wirklich gelebt haben. Sie alle haben nie Zeit für sich. Sie sind sich selbst entfremdet und definieren sich nur über das, was sie gerade tun, rastlos und unbefriedigt.

So ist es nur ein kleiner Teil des Lebens den wir Leben und du wirst einsehen müssen, dass du unreif stirbst. Schiebe all die guten Vorsätze nicht vor Dir her, in ein Alter, das nur wenige erreichen. »Der braucht den Tod nicht zu fürchten, wann er auch kommt, der sein Leben sinnvoll gelebt hat.«

Löse dich aus der Hektik des Alltags um immer wieder zum Nachdenken zu kommen. »Unser Leben ist nicht zu kurz, sondern wir machen es kurz, indem wir so viel davon vergeuden, anstatt unser Leben sinnvoll zu nutzen.«

aus den Schriften Senecas, Philosoph und Schriftsteller, um 4 v.Chr. – 65 n.Chr.

Warum indische Schuster keine Prostata Probleme haben

9 Jan 2014
Indischer Schuster im Schustersitz
Untenrum gesund: Schuster im Schustersitz
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Mann im Yogasitz
BKS Iyengar praktiziert den Schustersitz oder lt. Sanskrit: Baddha Konasana
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Laut einer Statistik über Berufskrankheiten, haben indische Schuster keine Unterleibserkrankungen, weder an Prostata, Darm oder Blase, weil sie ihre Arbeit im »Schuster-Sitz« verrichten. Der »Schuster-Sitz«, im Sanskrit oder Yoga, bekannt als »Baddha Konasana«: Sitzen mit angewinkelten Beinen, Fußsohlen aneinander, Fußaußenkanten am Boden, Wirbelsäule aufgerichtet.

Baddha Konasana fördert aktiv die Durchblutung des Beckens, dehnt Becken und Leisten, stabilisiert die Iliosakralgelenke, lindert Ischias-schmerzen, hilft bei Hitzewallungen, stärkt Nieren und Prostata, auch eine sehr gute Übung in der Schwangerschaft, als Geburtsvorbereitung und bei Menstruationsbeschwerden.

Basics

9 Jan 2014

Mira Mehta zeigt die klare Verbindung zwischen Yoga, den Asanas und dem ayurvedischen Konzept. Sie kommt bei ihren Seminaren, in diesem Zusammenhang, aber auch wieder zurück zu den Basics der Asanas - und das ist auch gut so. Wir brauchen gute Grundlagen, auf denen wir weiter aufbauen können. Heutzutage ist leider oft schon viel verfälscht, bewusst oder unbewusst, verändert, vereinfacht, was mit dem Ursprünglichen nicht mehr übereinstimmt, aber so verbreitet wird.

Dazu gehört auch das Erlernen der Asanas selbst - und zwar aller Haltungstypen - auch derer die Mann/Frau nicht gerne übt. Erst das gibt dem körperlichen Üben ein Ganzes. Diese Haltungstypen sind: Stehhaltungen, liegende Haltungen, schnelle Übungsreihen, Drehungen, Rückbeugen, Vorwärtsbeugen, Umkehrhaltungen und regenerative Asanas, die alle geübt werden sollten. Und genau dieses gesamte Übungskonzept, »Yoga The Iyengar Way«, bereitet in einer sichern Art und Weise auf Pranayama, Konzentration und Meditation vor.

Tapas – glühendes Streben

4 Jan 2014

Das innere Feuer, sowohl in der Yoga-Übungspraxis als auch im Alltag, begleitet von einer achtsamen Selbstbeobachtung, die geprägt ist von der inneren Haltung der vertrauensvollen Hingabe für die Erfahrung der Gegenwart, offenbart spirituelle Erkenntnis. Tapas bedeutet auch innere Askese, bewusst einmal Dinge tun, die der Geist nicht mag, um innere Stärke zu erlangen. Die höchste Form der Askese ist Geduld. Aber Vorsicht: wenn wir uns im Streben nach Stärke überlegen vorkommen oder meinen, über anderen zu stehen, dann können wir sicher sein, dass gerade etwas schief läuft. Es sind Hingabe und Demut, die uns zur Bescheidenheit zurückbringen.

Der Yoga-Weg ist ein Weg nach innen, in die innere Freiheit. Das Leben in Freiheit bedeutet: aufhören zu wählen. Da nie ein Zwang, weder zum Wählen noch zum Nicht-Wählen, bestehen darf, ist die Freiheit im Sinne des Yoga, dass die Bewegungen des Geistes zur Ruhe kommen, weil wir die Freiheit nutzen, weder zu wählen noch nicht zu wählen. Dadurch wird Raum zwischen Gedankenleere und Gedankenfülle geschaffen. Die Balance in der Gegenwart, die Gegenwart, das Hier und Jetzt, ist eine unendlich winzige Zeiteinheit. In der Gegenwart zu leben bedeutet, von der Vergangenheit und der Zukunft getrennt zu sein. Auf diese Weise kann die Zeit nicht fließen. Savasana kann uns den Schlüssel zum Verständnis dafür liefern: Gelingt es uns, die Gegenwart als immerwährenden Moment zu betrachten und nicht als zusammenhängende oder nebeneinandergestellte Augenblicke, dann befinden wir uns im Hier und Jetzt, in diesem einen Atemzug. Wir sind dann frei von allen Spannungen und brauchen nicht mehr wählen, weil es genau in diesem Augenblick kein Vorher und kein Nachher gibt. Wir sind in unserer wahren Identität gefestigt, die sich zur vollkommenen Freiheit und Schöpfungskraft in einer zeitlosen Dimension entfaltet.

Ist man im Yoga vollkommen absorbiert, so dass vergangene Eindrücke sich nicht einmischen, sondern nur der Augenblick zählt, in dem man durch verbessertes Tun Vollkommenheit und Genauigkeit anstrebt, dann wird Yoga spirituell. Spiritualität ist kein Ziel, das wir äußerlich anstreben, es ist ein Teil in uns, den wir enthüllen müssen, weil Seele und Geist nicht vom Körper getrennt sind. Spiritualität beschreibt die Suche nach Gott und den Sinn des Lebens. Wer aber wiederum Gott begegnen will, muss ganz gegenwärtig sein, sich öffnen und eine Sehnsucht spüren, sich auf den Weg einzulassen. Das kann lebenslanges Üben bedeuten und dass sich die Früchte des Übens vielleicht erst viel später oder auch gar nicht zeigen. Es gibt dann keine Trennung mehr zwischen Asana, Pranayama, Spiritualität, Alltag und Meditation. Und selbst, wenn ich mein Ziel spät oder nie erreiche, was kann den schon passieren, außer dass ich mich wahrscheinlich auf dem Weg dorthin gesundheitlich sehr viel besser fühle.

Yoga auf die richtige Weise und mit der richtigen Einstellung geübt, bringt weit aus größere Veränderungen mit sich, als nur körperliche Gelenkigkeit. Yoga kann von jedem demütig und ohne Erwartungen geübt werden, denn die höchste spirituelle Erfahrung bleibt ein Geschenk.

Für Mr Iyengar sind Asana und Pranayama am Bedeutendsten. Durch diszipliniertes, beständiges, hingebungsvolles Üben und Dabeibleiben werden, die ethischen und spirituellen Grundhaltungen immer mitgeübt, verfeinert, gefördert und die Klesas im Laufe der Zeit überwunden. Asana-Praxis stärkt und heilt Körper und Geist und bereitet sie auf Pranayama vor. Asana und Pranayama helfen, den Geist vom Körper loszulösen.

Die Beobachtung des Atemflusses lehrt uns auch die Stabilität des Bewusstseins und führt zu Konzentration und Meditation. Es gibt keine bessere Methode. Prana erschafft, verteilt und erhält Lebensenergie. Nur wenn der Atem mit der Bewegung synchronisiert ist, können wir unseren Körper im Asana vollkommen dehnen.

Mit Pranayama beginnt das Abziehen der Sinne und es bringt Frieden. Pranayama lehrt uns deshalb Demut und Bescheidenheit, weil es nicht erzwungen werden kann. Wenn dann der Verstand zu schweigen beginnt, sind wir im Pratyahara dem »Rückzug der Sinne«. Pratyahara befreit von Bindungen und Wünschen. Wir werden ruhig, zufrieden und empfangen neues Wissen und Verständnis vom Leben. Dharana ist Konzentration oder vollkommene Aufmerksamkeit, gedankenvoll gedankenlos zu sein, ist gleichzeitig Konzentration und Meditation. Der gedankenvolle Zustand erfordert absichtliche Aufmerksamkeit. Gedankenlos zu bleiben, erfordert ebenfalls absichtliche Aufmerksamkeit. Folglich gibt es eigentlich gar keinen gedankenleeren Zustand. Man wird nicht leer. Man bleibt voll und voll bewusst. Das ist Dharana, das mit der Zeit, in einen Zustand totaler Ruhe mündet, Dhyana.

So müssen Asanas ausgeführt werden, müheloses Verweilen im Asana, ganzheitlich involviert, vollkommen absorbiert, konzentriert, reflektierend, nur der Augenblick zählt, in dem man durch verbessertes Tun Vollkommenheit und Genauigkeit anstrebt, dann wird Yoga spirituell und kann zu Samadhi führen. Letztendlich muss sich das spirituelle Leben im Alltag verwirklichen und bewähren. Jeder Augenblick des Lebens und jede Handlung geschieht in liebender Hingabe an Gott. Gelebte Ethik, Yama und Niyama, sind die Konsequenz und nicht die Voraussetzung für den spirituellen Weg.

Wahrheit ist einfach. Die Komplexität des Verstandes zurück zur Einfachheit zu führen, ist das Ziel des Yoga. Diese Einfachheit kommt mit der Praxis des Pranayama. Pranayama oder Atemtechnik ist das eigentliche Herzstück des Yoga. Prana ist die kosmische Energie oder Lebensenergie. Ayama ist die Weitung, Dehnung, Speicherung und Verteilung dieser Energie. Solange der Atem ruht, ruht Prana und folglich auch der Verstand. Der Atem ist der Spiegel der Seele. Frei fließender Atem löst Spannungen im Asana und bringt die Qualität von Vairagyam [[Loslassen, frei sein von Begierden]] und Prathyahara ins Üben. Das Asana synchronisiert mit Pranayama muss das gesamte Sein des Ausführenden mit Glanz und Schönheit umhüllen. Das ist spirituelle Praxis in physischer Form.

Pranayama lässt sich nicht erzwingen, sondern fordert, dass der Übende bereit ist, zu empfangen. So lehrt uns der Atem Bescheidenheit und Empfänglichkeit und ein aufgeblähtes Ego wird weich und zur Demut geführt. Wo der Geist ist, da ist auch der Atem und wo der Atem ist, da ist auch der Geist. Wenn man den Atem kontrollieren kann, kann man auch den Geist kontrollieren und umgekehrt. Nur mit Hilfe des beruhigenden Atems kann »zur-Ruhe-kommen-des-Geistes« erreicht werden. Wenn der Atem ruht, ruhen auch die Gedanken. Sobald man die Bewegungen des Zwerchfells kontrollieren kann, kehrt im Inneren Stille ein. Wenn die Bewegungen des Bewusstseins zur Ruhe kommen, erkennen wir, dass die Bewegung des Bewusstseins etwas anderes ist als das Bewusstsein selbst. Das Gehirn wird ruhig, leer, empfänglich und der Intellekt verteilt sich gleichmäßig überall. Die Seele kommt zum Vorschein – und das Bewusstsein beobachtet still und wach den Atem.

Wenn der Geist der König der Sinne ist, dann ist der Atem der Meister des Geistes. Aber der Weg dorthin bedeutet unermüdliches, diszipliniertes Üben. Ein Schüler sollte vor allem Liebe, Mäßigung und Demut hoch schätzen. Liebe erzeugt Mut und Mäßigung, schafft Fülle und Demut und gibt Kraft. Mut ohne Liebe ist gewaltsam, Fülle ohne Maßhalten führt zu Selbstverhöhnung und Verfall. Macht ohne Demut bringt Hochmut und Tyrannei hervor.

Das Leben lebt sich selbst – wir sind nur beteiligt daran. Wir sind ein Teil des göttlichen Lebens, wenn wir es ernst nehmen. Ich trage den Leib in mir, in meinem Körper. Leib leitet sich ab von leben, lieben, loben, die einander bedingen. Da wo ich bin, ist Gott, in dem einen Atem, der den versteckten göttlichen Atem in sich trägt. Die Einheit in der Zweiheit. Da spricht das unsagbare Geheimnis: »Komm aus der Dimension der Zeitlichkeit in die Dimension der Ewigkeit« – von der Körperlichkeit auf den Weg der Leiblichkeit. Man braucht sich nur dafür zu öffnen und der Sehnsucht freien Lauf zu lassen. Hingabe, das Absichtslose an sich geschehen lassen. In dem einen Asana ist das aktive Nicht – Tun! Den Leib kann keiner zerstören, er wird von der Ewigkeit getragen. Nicht: Wir haben – sondern: Wir sind! Fällt die Hülle, ist das von ihr umschlossene frei und breitet sich aus, in das Unendliche und in die Ewigkeit – wovor sollen wir dann noch Angst haben?

Samskaras – Gewohnheiten verändern

9 Dez 2013

Gewohnheiten verändern, die ich ändern kann, erfordert Mut und Kraft. Für alles, was ich ändere, übernehme ich die Verantwortung, arbeite zielstrebig und kreativ darauf hin zu, muss dann aber auch bereit dazu sein, wieder loszulassen, zulassen, annehmen und Gott vertrauen, so befreit von Hindernissen, dann kann Gutes entstehen. Tun und Sein, als Parallele zu Abhyasa (fortdauernder und entschlossener Übung) und Vairagya (loslassen, frei sein von Begierden), die zusammengehören. Nur wenn sich beide die Waage halten ist es möglich, die inneren Bewegungen zur Ruhe zu bringen. Es ist die Balance zwischen Tun und Sein, der Ausgleich zwischen dem Annehmen seiner selbst und der Entschlossenheit, das an sich zu ändern, was geändert werden muss.

Eingefahrene Verhaltensmuster sind meist tief im Unterbewusstsein eingelagert. Es liegt in unserem eigenen Interesse, positives Handeln zu betonen und eingefahrene Gewohnheiten immer mehr zu befreien. Mit Hilfe von Yoga können wir Samskaras erkennen, ausfindig machen, und beginnen, uns davon zu befreien oder in einer Form von Konditionierung in gute Gewohnheiten umzuwandeln. Ziel ist nicht einfach, nur schlechte Samskaras zu beseitigen, sondern auch gutes Handeln zu kultivieren, um gute Samskaras aufzubauen. Mit Hilfe von Yoga können wir Strukturen, feste Muster und alte Gewohnheiten wahrnehmen, erkennen, uns damit auseinander setzen, durchschauen, transformieren und wenn nötig auflösen. In der Psychologie wird dieser Vorgang als Verlernen bezeichnet. Verlernen ist ein Prozess, der wieder neu gelernt werden muss. Das was wir am meisten verlernen sollten, ist: das Vermeidungsverhalten. Nur wer seine Grenzen erkennt, kann diese erweitern und überwinden.

Freiheit existiert in unserem Körper, im Geist und in der Seele. Der Yoga-Weg ist ein Weg in die innere Freiheit. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir lernen, uns von unseren Gewohnheiten zu lösen. Wir müssen gutes Handeln kultivieren, um gute Samskaras aufzubauen, die negativen in positive umwandeln, um uns dann ganz davon zu lösen. Langes, einfühlsames, ununterbrochenes Üben von Asana und Pranayama schaffen ein festes Fundament und führen zum Erfolg. Geduld und diszipliniertes Üben entwickeln Willenskraft. Willenskraft ist die Bereitschaft etwas zu tun. Mit Willenskraft und Hingabe schaffen wir einen kontinuierlichen Fortschritt im Bemühen unsere Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Im Yoga beschreiten wir einen Weg und das bedeutet, wir sind in Bewegung. Es ist ein Fehler, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und sich die Erfahrungen der Vergangenheit wie einen Stempel ins Bewusstsein einzuprägen, auch mechanisches Üben ist nur ein stetes Wiederholen, das den Geist abstumpft.

Gunas, die Grundqualitäten der Natur, sind drei gegensätzliche Kräfte, deren Ausgleich aber der Schlüssel für ein Leben in Balance ist:

  • Tamas (Masse oder Trägheit)
  • Rajas (Energie, Tatkraft, Dynamik)
  • Sattva (Leuchtkraft, Lichtheit)

Das bedeutet, dass wir uns am Anfang im Üben mehr anstrengen müssen, weil Tamas, der Widerstand, die Trägheit im Körper größer ist. Wirkt sich Rajas als Begriffsstutzigkeit im Gehirn aus, ist auch das eine Belastung für Gehirn und Nervensystem. Wir müssen lernen, die Kräfte der Gunas zu beobachten und identifizieren, damit sie im richtigen Verhältnis ausbalanciert sind und die Schönheit von Sattva zum Vorschein kommt. Diese Fähigkeit versetzt uns in die Lage, Schmerzen zu vermeiden und Krankheiten zu heilen. Schmerz ist ein Bestandteil der Asana-Praxis. Schmerz ist der Lehrer. Die spirituelle Haltung ist, dass wir uns beharrlich und ausdauernd Schmerzen annehmen und uns hindurchbewegen, ohne ihnen zu erliegen oder vor ihnen davonzulaufen, um das Gute darin zu sehen. Mit Asana und Pranayama nutzen wir Techniken, unvermeidliche Schmerzen und Qualen zu ertragen und zu überwinden. Asanas helfen uns, höhere Toleranzgrenzen zu entwickeln, um Stress und Druck leichter auszuhalten. Um in einem Asana über längere Zeit zu verweilen, brauchen wir Ausdauer und Durchhaltevermögen. Um es zu meistern, brauchen wir Geduld und Disziplin. Damit unerträglicher Schmerz gelindert oder sogar beseitigt werden kann, muss Spannung und Entspannung in einer Haltung im richtigen Maß eingesetzt werden.

Innere Achtsamkeit, Verfeinerung der Wahrnehmung; sich selbst kennen, achten und verstehen lernen, eigene Achtsamkeit mit ins Üben bringen, Grenzerweiterung durch Dehnen und Entspannen; Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit in Umgang mit sich selbst.

Satya (Wahrheit) soll in der Verpflichtung gegenüber anderen im Sinne von Ahimsa (Nichtverletzen) gemildert werden. (Ahimsa-Parama-Dharma) »Nichtverletzten ist die höchste Pflicht.« Nur wenn etwas wahr, hilfreich, freundlich und notwendig ist, soll es gesagt werden, d.h. keine Unwahrheiten, aber auch keine Wahrheiten, die andere verletzen. Ahimsa bedeutet, keiner Kreatur Schmerzen zu verursachen, niemals und auf keine Weise.

Noch bevor wir handeln, können mit bewusster Atmung Reaktionen verlangsamen und im Ausatmen unser Ego hingeben. Die Atempause, der Moment des Innehaltens, gibt uns Zeit und Raum für kognitive Betrachtung, korrigierende Reaktion und Neueinschätzung. Das wird zu einem Endlosprozess, der uns wieder in den gegenwärtigen Augenblick versetzt. Die Vergangenheit spielt keine Rolle und der Blick für die geistige Gegenwart wird geschärft. Erfahrungen aus der Vergangenheit können hier aber auch sehr nützlich sein. Wenn ich das Gefühl habe etwas Falsches zu tun, kann ich aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen, um weiter zu kommen, aber keinesfalls um an Vergangenem hängen zu bleiben. So arbeiten Gewahrsein, Unterscheidungs- und Erinnerungsvermögen zusammen und das kreative Denken führt zu Wissen und Selbsterkenntnis. Wenn sich Gewahrsein mit der Intelligenz verbunden hat, können wir in absoluter Ehrlichkeit sehen und erkennen. Erinnerung ist sinnlos, wenn wir dadurch ständig Vergangenes wiederholen. Erinnerung ist nützlich und notwendig, um auf Zukünftiges vorzubereiten und uns weiter zu entwickeln.